Biographie
Die 80er
In den 80er Jahren hat mein Vater zentnerweise Computer-Hardware aus dubiosen Quellen angeschleppt - und zum Entsetzen meiner Mutter im Keller unseres Hauses aufgebaut. Er war ein Nerd.
Über die Sommerferien saß ich neben ihm im Keller und habe so lange armdicke Kabelbäume zusammengelötet, bis ein tonnenschwerer SiemensNixdorf DIN A1-Endlospapier-Nadeldrucker endlich von unserem Schneider CPC6128 zum Leben erweckt wurde. Der Schneider CPC war meine Einstiegsdroge. Ich wurde auch ein Nerd.
Mein erstes Computerprogramm habe ich Mitte der 80er Jahre mit 7 Jahren geschrieben. Es hieß “Sag mir Dein Autokennzeichen und ich sage Dir, wo du wohnst”. Meine Großmutter war über das Wissen der kleinen schwarzen Kiste entsetzt und hat sie verteufelt. Ich war begeistert.
Die 90er
Nach dem FidoNet, BTX und Datex-J kam Mitte der 90er Jahre, ich war mittlerweile ausgezogen, endlich ein leistungsfähiges 14.400 Baud Modem ins Haus. Ich fing an, meine Nächte damit zu verbringen, Accounts ahnungsloser AOL-Kunden zu hacken.
Nach einem sechsmonatigem Praktikum in einer Digital-Druckerei begann ich Ende der 90er Jahre ein Studium zum Kommunikationsdesigner. Photoshop, AfterEffects, Flash und allerlei Formen des Marketings wurden meine neue Droge.
Eines Tages verließ der Systemadministrator die Uni und ich wurde quasi automatisch sein Nachfolger. Fortan studierte ich tagsüber Design und Marketing, fummelte nachts mit Unix-Kommandos auf den Servern der Uni herum und begab mich in neue Untiefen, wie BIND, DNS, Sendmail, Apache oder LDAP.
Die Jahrtausendwende
Mein Studium war kostenpflichtig und Geld war knapp. Ein Freund von mir kannte einen Redakteur beim Spiegel Verlag. Nach kurzer Zeit stellte man dort fest, dass ich mich im Online-Bereich ziemlich gut auskannte.
Das Projekt, für das ich nach zwei Beförderungen als Producer in Konzeption, Design und Abstimmung in den Abteilungen verantwortlich war, erwuchs zu einer Seite mit zeitweise über 50 Millionen Page Impressions (IVW) und rangierte auf Platz 12 der am Meisten besuchten deutschen Internetseiten. Trotz platzender New Economy-Blasen machten wir Gewinne im Millionenbereich.
Zwei Jahre und zwei Relaunches später, ich war gerade 24, wurde es mir zu langweilig und ich nahm mein Studium wieder auf. Nach meinem Ausflug in die Realität wurde meine Abschlussarbeit jedoch keine Kampagne, sondern ein relativ komplexes, online-basiertes System zur effizienten Verwaltung der Uni, an der ich studierte. In einem Satz gesagt:
Alle Studenten konnten damit vor Beginn des Semesters ihre Haupt- und Nebenfächer über das Internet wählen und Dozenten vom Wohnzimmertisch aus die Leistungen ihrer Studenten benoten.
Mein Abschluss wurde mit einer “1″ honoriert. Das System wird bis heute verwendet.
Der folgende Auslandsaufenthalt an der University of Portsmouth – zusammengepfercht mit vier Kommilitonen in einem klitzekleinen, englischen Reihenhaus – war geprägt von wissenschaftlicher Arbeit. Mein recht praxis-orientierter Horizont erweiterte sich. Eigentlich war es aber eine leicht fettige Party, die über ein Jahr andauerte.
Danach
Nach meiner Rückkehr aus England stand eines fest: Ich war als Designer zwar zu gebrauchen – meine Stärken lagen aber woanders. Ich kannte mich im Printbereich aus, hatte zwei Abschlüsse als Designer in der Tasche, sprach durch meine Nerd-Vergangenheit ein bißchen die Sprache der “Tekkies” und hatte bereits einiges an Erfahrung im Umgang mit Großprojekten vorzuweisen.
Nach einem kurzen Versuch als Account Manager in einer hamburger Agentur hatte ich dann plötzlich das gefunden, was zu mir passte: Ich wurde Konzepter bei Interone Worldwide.
Innerhalb von vier Jahren wurde ich dort zum Senior, dann zum Fachcoach für den Bereich Konzept, dann Associate Creative Director (Konzept) und letztlich zum Creative Director (Konzept) befördert.
In dieser Zeit war ich an über 120 kleinen, mittleren und großen Projekte beteiligt, habe knapp 400 Präsentation, Analysen und Strategien entwickelt und dutzende Präsentationen auf deutsch und englisch vor Kunden gehalten.
Fünf Jahre später
Mitte letzten Jahres habe ich zusammen mit einem Kollegen den Kreativ-Lead am Kölner Standort von Interone interimsweise übernommen.
Zwischen Oktober letzten Jahres und Anfang diesen Jahres habe ich als Creative Director zusammen mit meiner Account-Kollegin jeweils die Hälfte der Woche bei unserem Kunden BMW vor Ort in München und den Rest der Woche bei unserem Team in Hamburg verbracht. Ab Februar 2010 habe ich als Creative Director eines von drei Teams für den größten Kunden von Interone in Hamburg geleitet.
Heute
Im August 2010 habe ich die Karten neu gemischt und mein Dasein als Angestellter beendet. Seitdem bin ich als freier Konzepter für unterschiedliche Agenturen tätig und entwickele nebenbei eigene Projekte.
